07 Aug 2021

Simon Hengel

Freiberuflicher Autor

Was hat es mit Kindergeld und Kinderfreibetrag eigentlich auf sich?

Wie funktioniert das mit dem Kindergeld und dem Kinderfreibetrag eigentlich genau? Mit dieser Frage werden Chefs und Chefinnen immer wieder einmal konfrontiert, auch wenn das Thema nicht direkt etwas mit der Lohnabrechnung zu tun hat.

Wer in Deutschland lebt, Kinder hat und diese im eigenen Haushalt großzieht, hat Anspruch auf Kindergeld. Das monatliche Kindergeld beträgt im Jahr 2021 fürs erste und zweite Kind 219 Euro, fürs dritte Kind 225 Euro und für jedes weitere Kind 250 Euro. Dazu kam 2021 wieder ein einmaliger Corona-Kinderbonus, diesmal von 150 Euro.

Kindergeld muss bei der örtlichen Familienkasse beantragt werden. Die Leistung gibt es mindestens bis zum 18. Lebensjahr des Kindes. Auch für volljährige Kinder kann es bis zum 25. Lebensjahr noch Kindergeld geben, zum Beispiel dann, wenn sie sich in Ausbildung befinden, studieren oder ein Freiwilligen-Jahr ableisten.

Grundsätzlich steht das Kindergeld zwar beiden Eltern zu, wenn das Kind im gemeinsamen Haushalt lebt oder im Wechselmodell hin und her pendelt. Ausgezahlt wird es aber nur an ein Elternteil.

Kinderfreibetrag und Erziehungsfreibetrag

Der Kinderfreibetrag ist eine Steuervergünstigung für Eltern: dieser Freibetrag wird von dem Einkommen abgezogen, von dem die Einkommensteuer berechnet wird. Er besteht eigentlich aus zwei Freibeträgen: dem für das steuerfreie Existenzminimum und dem Erziehungs- und Betreuungsfreibetrag.

Freibetrag

   Einzelveranlagung

   gemeinsame Veranlagung (Ehepaare)

Freibetrag fürs steuerfreie Existenzminimum,

   2.730 Euro

   5.460 Euro

Erziehungs- und Betreuungsfreibetrag

   1.464 Euro

   2.928 Euro

Summe

   4.194 Euro

   8.388 Euro

 

Eltern können sich die Kinderfreibeträge für gemeinsame Kinder aufteilen, deshalb gibt es auch halbe Kinderfreibeträge. In der Regel wird ein Kinderfreibetrag automatisch in die Elektronischen Steuerabzugsmerkmale (ElStAM) beim Finanzamt eingetragen, wenn das Kind bei den Eltern bzw. einem Elternteil gemeldet ist. Andernfalls kann der Eintrag beim Finanzamt beantragt werden. Das gleiche gilt für Änderungen, etwa geteilte Kinderfreibeträge.

Eingetragene Freibeträge werden jeden Monat bei der monatlichen Lohn- und Gehaltsabrechnung berücksichtigt. Auch ilohngehalt ruft die jeweils aktuellen ElStAM ab. Diese wirken sich im Rahmen der Lohnabrechnung aber zunächst nur auf die Kirchensteuer und auf den Solidaritätszuschlag aus, soweit beides anfällt.

Um den Kinderfreibetrag wirklich zu nutzen, müssen die Arbeitnehmer nach Jahresende eine Einkommensteuererklärung abgeben und dabei für jedes Kind die Anlage „Kind“ ausfüllen.

Kindergeld oder Kinderfreibetrag? Das prüft das Finanzamt von sich aus

Man kann nur entweder vom Kindergeld oder vom Kinderfreibetrag profitieren. Beides geht nicht. Zum Glück muss man das nicht vorher und auch nicht selbst entscheiden.

Vielmehr führt das Finanzamt automatisch eine sogenannte Günstigerprüfung durch, wenn die Einkommensteuererklärung eingereicht wird. Es ermittelt bei der Bearbeitung, ob es günstiger ist, wenn die Familie das Kindergeld in Anspruch nimmt oder den Kinderfreibetrag beansprucht, und legt diese Variante dann zugrunde.

Die Einkommensteuer ist in Deutschland progressiv: Für kleine Einkommen liegt der Steuersatz niedriger. Kommen Einkommensbeträge hinzu, werden diese zunehmend höher besteuert. Deshalb ist die Steuerersparnis durch Freibeträge umso größer, je höher das Einkommen ist. Das bedeutet: Eltern mit hohem Lohn oder Gehalt profitieren unterm Strich vom Kinderfreibetrag mehr als vom Kindergeld. Für Eltern mit geringem und auch mittlerem Einkommen bringt das Kindergeld einen Vorteil.

Ausrechnen muss man das trotzdem in jedem Einzelfall, denn das Ergebnis hängt auch davon ab, welche anderen Freibeträge und Steuerabzugsmöglichkeiten vorliegen, ob die Eltern gemeinsam veranlagt werden, wie viel der andere Partner verdient etc. Doch wie schon gesagt: Die Rechnerei übernimmt das Finanzamt.

Auch wenn sich ergibt, dass der Kinderfreibetrag günstiger ist, muss man das Kindergeld nicht zurückzahlen. Es wird vielmehr verrechnet. Das Finanzamt berechnet von sich aus bei der Bearbeitung der Einkommensteuererklärung, ob der Kinderfreibetrag mehr bringt als das Kindergeld. Lautet die Antwort ja, erstattet es die Differenz.

Allerdings müssen Arbeitnehmer eine Einkommensteuererklärung einreichen, um davon zu profitieren. Wer das versäumt, legt sich gewissermaßen aufs Kindergeld fest und verzichtet auf einen möglichen Kinderfreibetrag.

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