01 Jul 2021

Simon Hengel

Freiberuflicher Autor

Krank im Urlaub? Krankheitstage zählen nicht als Urlaubstage

Wird der Arbeitnehmer während des Urlaubs krank, darf er die entsprechenden Urlaubstage später nehmen. Das ist nur eine der Regelungen, die Arbeitgeber kennen sollten, wenn der Arbeitnehmer sich in den Jahresurlaub verabschiedet.

Zunächst einmal: der Urlaubsanspruch

Jeder Beschäftigte in Deutschland hat Anspruch auf bezahlten Jahresurlaub – bei einer Fünftagewoche mindestens 20 Werktage im Jahr, wobei auch Samstage als Werktage zählen. Das ist gesetzlich vorgeschrieben, denn in Deutschland gibt es (natürlich) ein eigenes Gesetz zu Urlaubsfragen im Arbeitsrecht – das Bundesurlaubsgesetz.

In der Realität liegt der Urlaubsanspruch meist deutlich darüber. Vollen Urlaubsanspruch hat man allerdings erst nach sechs Monaten im Betrieb. Davor erwirbt man für jeden Monat im Unternehmen Anspruch auf ein Zwölftel des gesetzlichen Mindestsurlaubs.

Wer bestimmt, wann Urlaub genommen wird?

Der Arbeitnehmer kann nicht von sich aus festlegen, wann er in Urlaub geht. Aber auch der Arbeitgeber kann die Urlaubsplanung nicht nach Lust und Laune vornehmen. „Bei der zeitlichen Festlegung des Urlaubs sind die Urlaubswünsche des Arbeitnehmers zu berücksichtigen“, so steht es im Gesetz. Wenn der Arbeitgeber einen Urlaubsantrag ablehnt, sollte er dafür tragfähige Gründe haben, z. B. bereits genehmigten Urlaub von Kollegen, oder dass der Urlaub in die Hauptsaison des Unternehmens fällt.

Außerdem haben Arbeitnehmer grundsätzlich Anspruch darauf, ihren Urlaub zusammenhängend nehmen zu dürfen, mindestens aber 12 Werktage am Stück, wenn der Urlaubsanspruch mindestens diese Anzahl an Tagen umfasst.

Krankheit während des Urlaubs

In § 9 BUrlG ist zudem geregelt, dass Krankheitstage während des Urlaubs nicht als Urlaubstage zählen. Liegt der Mitarbeiter die ganzen zwei Wochen mit Grippe im Bett statt im Süden am Strand, dann werden ihm diese Tage nicht vom Urlaub abgezogen.

Die Angabe „war erkältet, hab mich schlecht gefühlt“ reicht dafür allerdings nicht aus: der Arbeitnehmer muss eine ärztliche Krankschreibung vorlegen. Als Arbeitgeber können Sie verlangen, dass dieses ärztliche Attest den üblichen Standards entspricht.

Außerdem muss sie Ihr Mitarbeiter so schnell wie möglich darüber informieren, dass er im Urlaub krank geworden ist.

Kind oder Partner im Urlaub erkrankt?

Anders liegt der Fall, wenn die Krankheit eines Kindes oder des Partners einen Strich durch die Urlaubspläne macht. In dem Fall bleiben die Urlaubstage nicht erhalten.

Urlaub im Corona-Risikogebiet?

Der Arbeitgeber kann nicht verlangen, dass seine Mitarbeiter ihn über ihre Urlaubspläne informieren. Und selbst wenn er erfährt, dass ein Arbeitnehmer in ein Corona-Risikogebiet fährt, kann er ihm das nicht einfach verbieten. Muss der Mitarbeiter allerdings nach einem solchen Urlaubstrip in Quarantäne und kann nicht arbeiten, braucht der Arbeitgeber für die Zeit der Absonderung in der Regel den Lohn oder das Gehalt nicht zu bezahlen.

Normalerweise müssen Arbeitgeber für Arbeitnehmer in Quarantäne zwar Lohn oder Gehalt bis zu sechs Wochen fortbezahlen und erhalten das Geld anschließend von ihrem Bundesland erstattet. Der Entschädigungsanspruch des Arbeitnehmers gemäß Infektionsschutzgesetz entfällt jedoch, wenn seine Quarantäne durch den Verzicht auf die Reise in ein Risikogebiet vermeidbar gewesen wäre. Anders ist es, wenn das Urlaubsziel erst während des Urlaubs in die Liste der Risikogebiete aufgenommen wird.

Arbeitnehmer kommt nicht rechtzeitig aus dem Urlaub zurück

Wenn ein Mitarbeiter nicht rechtzeitig aus dem Urlaub an den Arbeitsplatz zurückkehrt, stellen sich zwei Fragen: Inwieweit war das seine eigene Schuld? Und: Hat er alles getan, um den Arbeitgeber so schnell wie möglich zu informieren, z. B. über einen Schaden am Auto, der die Rückreise verzögert.

Das Wegerisiko auch für die Rückkehr von einer Fernreise trägt der Arbeitnehmer. Deshalb muss der Arbeitgeber für die Ausfalltage in aller Regel kein Entgelt bezahlen. Außerdem kann eine Abmahnung gerechtfertigt sein, jedenfalls dann, wenn der Arbeitnehmer für die Verspätung selbst verantwortlich ist. Die eigenmächtige Urlaubsverlängerung kann sogar ein Kündigungsgrund sein.

Andererseits: Wenn die Verspätung „ohne sein Verschulden“ zustande kam, kann der Mitarbeiter in bestimmten Fällen für einige Verspätungstage sogar Lohn oder Gehalt fordern. Das beruht auf einer Regelung im Bürgerlichen Gesetzbuch, die eine Lohnfortzahlungspflicht bei „vorübergehender Verhinderung“ festlegt (§ 616 BGB). Sie gilt allerdings nur für personenbezogene Gründe – etwa einen Todesfall in der Familie, der die rechtzeitige Rückkehr verhindert. Die Pleite eines Billigfliegers gehört nicht dazu. Außerdem kann die Geltung dieses Paragraphen im Arbeitsvertrag von vornherein ausgeschlossen werden.

Urlaub verfallen lassen?

Urlaub muss in dem Kalenderjahr genommen werden, in dem der Urlaubsanspruch entsteht. Ins nächste Jahr verschoben werden darf er nur aus dringlichen Gründen, und selbst dann nur ins erste Quartal des Folgejahrs.

Was gar nicht geht: Durcharbeiten, statt Urlaub zu nehmen, und sich den Urlaub stattdessen in Geld auszahlen lassen. Das Abgelten von Urlaubsansprüchen durch Geld ist nur am Ende des Arbeitsverhältnisses möglich.

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