04 Feb 2021

Simon Hengel

Freiberuflicher Autor

Der gesetzliche Mindestlohn steigt: Mindestlohn-Erhöhung 2021 und 2022

Zum Jahreswechsel 2020/2021 steigt wieder einmal der gesetzliche Mindestlohn. Und auch die weiteren Erhöhungsschritte stehen bereits fest.

Mindestlohn-Erhöhung in der Übersicht

Die Erhöhungsschritte im Einzelnen:

  • Derzeit beträgt der Mindestlohn 9,35 Euro, und zwar seit dem 01.01.2020
  • ab dem 01.01.2021 steigt er auf 9,50 Euro
  • zum 01.07.2021 erhöht er sich auf 9,60 Euro
  • zum 01.01.2022 erfolgt eine Steigerung auf 9,82 Euro
  • ab dem 01.07.2022 gilt eine weitere Erhöhung auf 10.45 Euro

Die Angaben beziehen sich auf den Bruttolohn pro geleisteter Zeitstunde.

Die Erhöhungsstaffel ergibt sich aus der „Dritten Mindestlohnanpassungsverordnung“ und folgt den Empfehlungen der Mindestlohnkommission.

Mindestlohn-Erhöhung: Für wen gilt sie überhaupt?

Für alle Arbeitnehmer gilt, dass der Stundenlohn bzw. das auf die Arbeitsstunde umgerechnete Gehalt den gesetzlichen Mindestlohn nicht unterschreiten darf. Davon ausgenommen sind nur wenige Beschäftigte, die nicht als Arbeitnehmer gelten:

  • für Auszubildende gilt eine eigene Regelung zur Mindestausbildungsvergütungen. Diese sind ebenfalls verbindlich, und auch sie erhöhen sich zum 01. 01. 2021.
  • Minderjährige haben nur dann Anspruch auf Mindestlohn, wenn sie eine Ausbildung abgeschlossen haben.
  • Praktikanten haben Anspruch auf den Mindestlohn, außer es handelt sich um ein Pflichtpraktikum oder um ein freiwilliges Orientierungspraktikum von maximal drei Monaten.
  • Langzeitarbeitslose (mindestens ein Jahr arbeitslos) haben erst nach sechsmonatiger Beschäftigung Anspruch auf Mindestlohn.
  • Wer an einer Arbeitsförderungsmaßnahme teilnimmt, beispielsweise zur beruflichen Wiedereingliederung, kann keinen Mindestlohn beanspruchen.
  • Ebenfalls keinen Mindestlohn-Anspruch haben Heimarbeiter, „Bufdis“ (Bundesfreiwilligendienst Leistende), Geschäftsführer-Gesellschafter und Ehrenamtler.

Was zählt alles mit zum Mindestlohn?

Über die Frage, welche Zahlungen für den Mindestlohn zählen, gibt es immer wieder Streit. Neben dem regulären Stundenlohn oder Grundgehalt gilt das für Stück- oder Akkordlöhne. Zuschläge und Zulagen zählen dagegen grundsätzlich nicht mit.

Der Mindestlohn darf deshalb nicht nur mithilfe von Nacht-, Sonntags- und Feiertagsarbeit oder Mehrstundenzulage („Überstundenzulage“) erreicht werden! Das Gleiche gilt für Trinkgelder. Bereitschaftsdienste gelten als Arbeitszeit  und müssen ebenfalls mit dem Mindestlohn vergütet werden.

Gerade in diesem Zusammenhange hängen viele Details vom konkreten Einzelfall ab. Bei Unklarheiten zur korrekten Berechnung des Mindestlohns können Sie sich an die kostenlose Mindestlohn-Hotline des Bundesarbeitsministerium unter 030 6028 0028 wenden (Montag bis Donnerstag, 08.00 Uhr bis 20.00 Uhr).

Das Problem mit den 450-Euro-Jobs

Jede Erhöhung des Mindestlohns verkürzt die Arbeitszeit, die ein 450-Euro-Jobber im Monat maximal arbeiten kann. Schließlich gelten die Mindestlohnvorschriften auch für geringfügig Beschäftigte. Das Problem wird in diesem Beitrag erläutert: Mindestlohnfallen bei Minijobs: Darauf sollten Sie als Arbeitgeber achten

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